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Freiwilliger Kohlenstoffmarkt: Warum Carbon Credits, Reputationsrisiko und ICVCM CCP wichtig sind

16. Januar 2026
4 min read
Von Pier Compliance
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Freiwilliger Kohlenstoffmarkt: Warum Carbon Credits, Reputationsrisiko und ICVCM CCP wichtig sind

Mit wachsenden Net-Zero-Zielen, Scope-3-Druck und strengeren Prüfungen von Klimaaussagen entwickelt sich der Freiwillige Kohlenstoffmarkt (VCM) von „Menge“ zu „Qualität“. Unternehmen achten nicht mehr nur auf den Preis pro Tonne, sondern auf Reputationsrisiken, Integrität, Nachweisbarkeit und Evidenz.

Dieser Beitrag erklärt, warum Reputationsrisiko inzwischen ganz oben steht, warum viele Käufer trotzdem „Nutzen > Risiko“ sehen, warum der Portfolioansatz Standard ist und was das ICVCM Core Carbon Principles (CCP)-Label signalisiert. Außerdem zeigen wir, warum 15–30 USD/t für naturbasierte Lösungen häufig nachgefragt werden, mit einem praktischen Beschaffungsrahmen.


1) Warum Reputationsrisiko ganz oben steht

Carbon Credits können Klimastrategien stärken – oder Greenwashing-Vorwürfe auslösen. Die wichtigsten Treiber:

  • Qualitätsprüfungen: Additionality, Permanenz, Leakage, Doppelzählung
  • Claim-Auditdruck: höhere Beweislast für „carbon neutral“ und „net-zero“
  • Lieferkettenanforderungen: mehr Transparenz durch Kunden und Finanzierer
  • Stakeholder-Sensibilität: Credits mit geringer Integrität schaden Markenwerten

Fazit: Beschaffung wird zu Risiko- und Reputationsmanagement.


2) „Risiko ist da, aber der Nutzen überwiegt“

Viele Unternehmen akzeptieren Risiken, weil Carbon Credits – richtig eingesetzt – Zielkonsistenz und Übergangsunterstützung bieten. Entscheidend sind Qualität + Transparenz + korrekte Claim-Sprache.


3) Der Standard: Portfolioansatz

Statt „alles“ an ein Projekt zu binden, nutzen Unternehmen einen Portfolioansatz:

  • Verschiedene Projekttypen: naturbasiert, technologiebasiert (DAC), Energiewende
  • Verschiedene Regionen und Risikoprofile
  • Verschiedene Laufzeiten und Preisniveaus
  • Qualitätsschichten: hochwertiger Kern + begrenzte Ergänzung

So werden Preis- und Reputationsrisiken verteilt.


4) Warum hochwertige Credits knapp sind

Die Nachfrage steigt, doch das Angebot an hochwertigen Carbon Credits bleibt begrenzt:

  • Lange Entwicklungszeiten für Projekte
  • Höhere Kosten für Monitoring und Verifizierung
  • Strengere Methodik- und Integritätserwartungen
  • Käufer verlangen mehr Evidenz und Transparenz

Ergebnis: „Qualitäts-Credits“ sind schwerer zu sichern, wodurch Preis, Auswahlkriterien und Beschaffungsstrategie wichtiger werden.


5) Was ICVCM „Core Carbon Principles (CCP)“ verändert

Der Markt setzt auf Labels und Prinzipien, um Qualität zu unterscheiden. ICVCM Core Carbon Principles (CCP) soll Mindeststandards für Integrität definieren.

In der Praxis:

  • Verschiebt die Qualitätsdebatte von „Unklarheit“ zu „klaren Kriterien“
  • Reduziert Prüfungsfragen in der Beschaffung
  • Kann bei knapper Versorgung zu Nachfrageüberhang führen

6) Preiserwartung: 15–30 USD/t und naturbasierte Lösungen

Für naturbasierte Lösungen ist 15–30 USD/t ein häufig nachgefragtes Band. Es balanciert Budget, Wirkung und Risiko.

Hinweis: Es gibt keinen „einzigen Preis“. Treiber sind:

  • Projekttyp und Methodik
  • Tiefe der Verifizierung und des Monitorings
  • Geografie und Politikrisiko
  • Permanenz- und Leakage-Risiken
  • Evidenz- und Reportingniveau
  • Label-/Framework-Kompatibilität (z. B. CCP)

7) 2030–2035: Größerer Markt, höhere Selektivität

Auch bei Wachstum werden Käufer wählerischer:

  • Bestehende Käufer erhöhen tendenziell Volumen
  • Neue Käufer bleiben vorsichtig
  • Der Markt bewegt sich in eine qualitätsorientierte Phase

8) Praktische „Qualität + Reputation“-Checkliste

Carbon-Credit-Beschaffung als Prozess aufsetzen:

A) Reputationsfilter

  • Ist die Projektstory öffentlich und belastbar?
  • Welche Claim-Sprache wird genutzt? „Offset“, „Contribution“, „Beyond value chain mitigation“ usw.

B) Integritätsfilter

  • Wie werden Additionality, Permanenz, Leakage, Doppelzählung gemanagt?
  • Ist der MRV-Ansatz (Measurement, Reporting, Verification) robust?

C) Evidenzpaket

  • Monitoringberichte, Verifizierungsstatements, Methodik, Projektdokumente
  • Seriennummern-Tracking und Retirement-Nachweise

D) Portfolioarchitektur

  • Hochintegrer Kern + ergänzende Credits
  • Schichtung nach Preis, Laufzeit und Risiko

E) Vertrag und Governance

  • Lieferung, Retirement, Rückkauf, Garantien, Claim-Klauseln
  • Lieferanten-Due-Diligence und Third-Party-Checks

9) PierCompliance-Ansatz: Beschaffung als „Compliance + Reputation“

PierCompliance unterstützt Unternehmen, Carbon-Credit-Entscheidungen auf Compliance, Prüfbarkeit und Reputationsrisiko auszurichten.

Leistungsumfang (Kurzfassung):

  • Interne Policy und Claim-Framework
  • Qualitätsbewertung (Integrity Scoring)
  • Portfoliostrategie: Risikoausgleich und Zielabgleich
  • Evidenzpaket und Dokumentation (audit-ready)
  • Lieferanten-/Vertrags-Checklisten und Risikominderung

Fazit

Mit dem Wachstum des VCM werden Käufer selektiver und evidenzorientierter. Reputationsrisiko ist der Kern der Beschaffungsstrategie. Erfolgreich ist eine Kombination aus Portfolio + hoher Integrität + starker Evidenz + präziser Claim-Sprache.

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Mini FAQ

1) Was bedeutet „hochwertiger“ Carbon Credit?
Credits mit besser gemanagten Risiken (Additionality, Permanenz, Leakage, Doppelzählung) und starkem MRV/Evidenzpaket.

2) Reicht das CCP-Label allein?
Nein. Labels helfen, aber interne Due Diligence und Evidenz bleiben entscheidend.

3) Warum ist der Portfolioansatz wichtig?
Er reduziert Abhängigkeit von einem Projekt und verteilt Preis- und Reputationsrisiken.

4) Sind 15–30 USD/t ein „Standardpreis“?
Nein. Es ist ein häufig nachgefragtes Band, abhängig von Typ und Qualität.

5) Wo entsteht das größte Reputationsrisiko?
Wenn schwache Evidenz mit überzogenen Claims kombiniert wird.